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„Die Hörner schleppen!“

Helga Kuschmitz: Herbert Kegel – Legende ohne Tabu. Ein Dirigentenleben im 20. Jahrhundert

Der vor 100 Jahren, am 29. Juli 1920 in Großzschachwitz (heute ein Ortsteil von Dresden) geborene Herbert Kegel wollte eigentlich Pianist werden, aber eine im Zweiten Weltkrieg erlittene Handverletzung vereitelte diesen Plan. Statt dessen ergriff er den Taktstock und schlug die Dirigentenlaufbahn ein, die ihn nach einigen Zwischenstationen ab 1960 als Chefdirigent ans Pult des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig führte. Mit den Rundfunk-Klangkörpern, speziell dem Chor des Rundfunks, hatte er bereits im Jahrzehnt zuvor hervorragende Aufführungen markanter Kompositionen des 20. Jahrhunderts realisiert, und diese Arbeit setzte er bis zu seinem Wechsel nach Dresden, wo er 1977 Chefdirigent der Dresdner Philharmonie wurde, konsequent fort. Hochgeschätzt von vielen zeitgenössischen Komponisten, gleichermaßen geliebt wie gefürchtet von „seinen“ Musikern (ein klassischer Satz aus seiner strengen Probenarbeit lautete: „Die Hörner schleppen!“), wuchs Kegel an seinen Aufgaben und schaffte es, das Leipziger Publikum von diesem oft gewöhnungsbedürftigen Repertoire zu überzeugen. Speziell in den 1980er Jahren arbeitete er oft in Japan, wo er noch heute größte Verehrung genießt, während sein Ruhm im wiedervereinigten Deutschland nach seinem Tod 1990 etwas zu verblassen begann.

 

Wer mehr über diesen unvergleichlichen Mann (der übrigens der Vater sowohl des Sängers Björn Casapietra als auch des Silly-Gitarristen Uwe Hassbecker ist) wissen möchte, dem sei die äußerst kundige und reich bebilderte Biographie „Herbert Kegel – Legende ohne Tabu“ von Helga Kuschmitz empfohlen, die zudem eine CD mit Mahler-Aufnahmen sowie vier Kompositionen aus Kegels eigener Feder enthält.

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