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Der Porzellanerfinder und der Minister

Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Bauherr und Mäzen

Ins populäre Geschichtsbild ist er vor allem als prunkvoller Verschwender und notorischer Frauenheld eingegangen: der sächsische Kurfürst Friedrich August I., später als polnischer König August II. und weitreichend als August der Starke bekannt. Vor 350 Jahren, am 12. Mai 1670, geboren, bestieg er den sächsischen Thron 1694 nach dem Tod seines nur drei Jahre regierenden Bruders Johann Georg IV., und als er 1733 starb, hatte Sachsen in seinen knapp vierzig Regierungsjahren einen erheblichen Schritt zum Status einer Großmacht getan und die Hauptstadt Dresden eine barocke Prachtentfaltung erlebt, deren Zeugnisse wir noch heute bestaunen. Und auch die europäische Neuerfindung des Porzellans durch Johann Friedrich Böttger und die darauf folgende Einrichtung der Porzellanmanufaktur in Meißen datiert in seine Zeit.

 

August der Starke verstand es, fähige Männer an seinen Hof zu holen, die sein Reich verwalteten – dass diese ihre Positionen auch zum eigenen Vorteil nutzten, war seinerzeit normal. Zu diesen Männern zählte auch Heinrich Graf von Brühl, der aus dem Staatsdienst von Sachsen-Weißenfels nach Kursachsen wechselte und dort einen kometenhaften Aufstieg erlebte, der sich unter Augusts Sohn und Nachfolger Friedrich August II. noch fortsetzte und neben dem Amt des Premierministers u.a. auch das des Direktors der Porzellanmanufaktur umfasste. Brühl stand seinen kurfürstlichen Dienstherren kaum nach, was Prachtentfaltung, Kunstförderung und Bautätigkeit angeht. Wer Genaueres wissen will, wie sich Sachsen durch ihn im 18. Jahrhundert entwickelte, dem sei das neue Buch „Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Bauherr und Mäzen“ empfohlen, das mit einer reichen, teils bisher noch unveröffentlichten Bebilderung einen eindrucksvollen Blick in die barocke Prachtentfaltung der damaligen Zeit wirft.

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