Birgit Heise (Hrsg.): Paul Ehrlich und die Anfänge der Leipziger Musikautomaten-Industrie

Birgit Heise (Hrsg.): Paul Ehrlich und die Anfänge der Leipziger Musikautomaten-Industrie

ISBN 978-3-95755-668-4n
19,80 € inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Birgit Heise (Hrsg.): Paul Ehrlich und die Anfänge der Leipziger Musikautomaten-Industrie

In Leipzig zeugen heute nur noch wenige erhaltene Fabrikgebäude vom einstigen Ruhm der Stadt als Weltzentrum der industriellen Musikautomaten-Produktion. Doch zwischen 1880 und 1930 pulsierte das werktätige Leben in insgesamt 100 Fabriken und Werkstätten, und klingende Standuhren, Leierkästen, Spieldosen oder automatische Klaviere aus Leipzig galten weltweit als erstrebenswerte Anschaffung, die zum Mobiliar eines gutbürgerlichen Wohnzimmers, in die Kinderstube und zur Ausstattung einer Gaststätte gehörte.

Am Beginn dieser bemerkenswerten Blütezeit stand die Erfindung eines hiesigen Klavierbauers: Paul Ehrlich erhielt 1882 das Patentrecht für sein Ariston, eine kleine Harmonika zum Kurbeln mit leicht auswechselbaren, billigen Lochplatten aus Pressspan. Ohne es zu ahnen, begründete er in Leipzig einen neuen Industriezweig: die massenhafte Musikautomaten-Produktion mit leicht auswechselbaren Lochplatten und Notenrollen.

Anlässlich des Jahres der Industriekultur in Sachsen trafen sich zahlreiche in- und ausländische Experten im August 2020 an einem der originalen Schauplätze, nämlich direkt in den ehemaligen Symphonion-Werken in Leipzig-Gohlis, um über das Phänomen des Leipziger Musikautomatenbaus zu diskutieren. Im vorliegenden Buch sind nunmehr wichtige Ergebnisse zusammengefasst und zum Nachlesen aufbereitet. Neben kulturellen Hintergründen, der stadtgeschichtlichen Einordnung, juristischen Fragen (wie den endlosen Patentstreitigkeiten), der Zuordnung der verschiedenen Ariston-Modelle und der zugehörigen Platten sowie Fragen der aktuellen Digitalisierung und Archivierung der Automatenklänge widmen sich mehrere Beiträge Paul Ehrlich: seinen Produktionsstätten, seinen zahlreichen Erfindungen und Musikinstrumenten, aber auch ihm als Privatperson und seiner besonderen Persönlichkeit. Mit Akribie spürten Ehrlichs Urenkel Karin Gauselmann und Achim Quaas sowie Monika Hirsch, deren Stammbaum auf eine Schwester Ehrlichs zurückführt, eine Fülle von Details aus dem Leben und Wirken des berühmten Vorfahren auf und stellten umfangreiches Fotomaterial zur Verfügung. So zeichnet das Buch auch ein umfassendes Bild vom Privatmann Paul Ehrlich, der als treu sorgender Familienmensch bis zu seinem Tode versuchte, durch immer wieder neue Patente den Lebensunterhalt zu sichern.

 
Erschienen im Verlag Klaus-Jürgen Kamprad
Broschur, BxH 17x24 cm, zahlreiche Abbildungen, teilweise vierfarbig, 216 Seiten

ISBN 978-3-95755-668-4

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort der Herausgeberin

Grußwort von Achim Quaas (Urenkel von Paul Ehrlich)

Grußwort von Karin Gauselmann (Urenkelin von Paul Ehrlich)

I. Paul Ehrlich: Seine Erfindungen und Fabriken

Birgit Heise: Die Fabrik Leipziger Musikwerke vorm. Paul Ehrlich & Co. AG

Ralf Smolne, Birgit Heise: Paul Ehrlich als rastloser Erfinder: Über 100 Patente und Gebrauchsmuster in 25 Jahren

II. Leipzig als Zentrum der Musikautomatenindustrie: Standortvorteile um 1900

Jan Großbach: Warum gerade Leipzig? Standortvorteil Musikalienhandel und Instrumentenbau

Stefan Keym: Klassischer Kanon vs. populäres Repertoire? Zum Verhältnis von Musikverlagen und Musikautomatenbau in Leipzig

Stefan W. Krieg: Warum gerade Gohlis? Ein Dorf wird zum Industriestandort

III. Die Leipziger Musikwerke-Industrie als kulturhistorisches Phänomen ihrer Zeit

Peter Donhauser: Musikmaschinen und der Wandel im Musikkonsum

Uwe Gernert: Mechanische Akkordeoninstrumente – Von der Stiftwalze über die Lochplatte zur Kartonrolle: Vorteile und Grenzen der „neuen Medien“ am Beispiel der Handharmonika

IV. Das Ariston mit perforierter Platte als erstes klingendes Massenmedium

Matthias Schiemann: Paul Ehrlich vor Gericht: Klagen um das Ariston

René Spinnler: Das Erfolgsprodukt Ariston: Modelle, Produktionsnummern, Datierung

Richard Ernst Englert: Anmerkungen zu Ariston-Noten mit 24 Tonstufen

V. Lochplatten in der Gegenwart

Mats Krouthén: Über neue Möglichkeiten der Digitalisierung und der Ausstellung Leipziger Notenscheiben

Ralf Smolne: Aus den Anfängen der Kammzungen-Spielwerke

VI. Paul Ehrlich, seine Persönlichkeit, seine Familie

Sascha Wömpener, Achim Quaas: Friedrich Ernst Paul Ehrlich und seine Familie – ganz privat